Samstag, 18. Februar 2012

Einen heißen Reifen gefahren.


Motoradtour in Nord-Thailand am 15.02.2012. 


Mon Cham liegt etwa 30 Km Nord-Westlich von Chiang Mai. Über Landstraße erreichen wir, das sind Mex und Otto, Mae Rim. Dort spriten wir unsere Maschinen noch auf und fahren in die Berge von Nord-Thailand. Die teils befestigten Weg lassen uns leicht voran kommen. Um so weiter wir in die Berge kommen gehen die Landstraßen in Feldwege über. Wir steigen mit unseren Motorcycles immer höher hinauf. Bis die Wege in Trampelpfade mit tiefen Spurrillen übergehen.
Top am Peak von Mon Cham geniesen wir die grandiose Sicht in die Berge und Täler. Leicht diesig, jedoch alles erkannbar verharren wir 20 Minuten an diesem spektakulären Ort. Die Felswand hier geht mehr als 60 Meter fast senkrecht in die Tief. Also bitte keinen Stolperer machen.




Wieder auf dem "Bock" nehmen wir Fahrt in Richtung Samong auf. Wir passieren dabei
Dörfer und Eremiten-Häuser und winken den hier lebenden Einheimischen zu. Besonders die Kinder haben eine Freude uns zu sehen, dabei zu lachen und uns zu zu winken. 


Die Wege sind mit Schlaglöchern gesäumt. Teils sind Stücke der Straße weggebrochen und es klafft ein 2 Meter Abgrund von der Mitte des Weges in den Dschungel. 
Oh je, eine Abzweigung mit drei Richtungen. Die Schilder sind, wohin es geht, handgemalt und in heimischer Schrift auf Holzlatten geschrieben. Farbe von manchen Buchstaben sind abgeblättert und wir können die Zeichen nicht deuten. Das ist "local language" deutet mir Mex. Na dann nehmen wir einfach die breiteste Wegevariante. Und schon düsen wir unter Bambushainen und doppelt-mannshoher Schilfgräser hindurch in das beginnende Tal.
3 Km auf lockerem sandigen Schotter, der in der Hitze wie Puderstaub aufwirbelt und die Sicht  beeinträchtigt stehen wir vor einem geöffneten Tor für ein Hot-Spring-Resort. Wir hören hämmern und sägen in dem noch nicht fertiggestellten Resort. 



Hier in der Gegend kommen heiße Quellen zu Tage und laden zu einem Bad in schwefelhaltigem Quellwasser ein. Ein findiger Investor oder auch mehrere, haben das erkannt und ein 5*Sterne Resort in Natur-Steinbauweise errichtet. Zur Eröffnung dauert es bestimt nicht mehr lange. Und wir, Mex und Ich, beschleicht das Gefühl dass der Weg, noch nicht einmal eine richtige Straße hierher, hier zu Ende ist. Ab hier "no-way-to-samong". 
Na gut, die 3 Km reißen es nicht heraus. Umgedreht und zurück zur Abzweigung.
Der Staub zwischen den Zähnen knirscht unaufhörlich. Die Nase ist voll mit rotem Puderstaub. Und Staub klebt an Jacke und Hose. 

Wir biegen an der Kreuzung nach links ab und fahren den nächsten Berg hoch. Das Spiel mit Bambus und Schilf, kleine Hütten am Wegesrand und arbeitende Bauern im Reisfeld wiederholen sich ständig. Wir sind hier im "Outback", quasi unter den Native`s von Nordthailand. Die Leute scheinen zufrieden mit ihrem Dasein und Lachen uns immer wieder an.

Wir sind bereits seit Chiang Mai ca. 106 Km gefahren da kommt wieder eine Abzweigung mit Hinweistafeln. Die Tafel ca. 1,20 m Breit und 1 Meter Hoch. Ganz oben ein Pfeil nach Links und Schriftzeichen. Darunter 4 Pfeile nach Rechts und ebenso beschrieben wo es hingeht. Da wir uns ausserhalb jedweiliger Touristenpfade bewegen ist alles auf "local Thai" geschrieben. Wieder die gleiche Frage: Wohin?
Mex schaut zu mir und checkt dabei mit seinem sicheren Blick für Motorbikes meinen City-Scooter. "Hey Otto, du hast wenig Luft im Hiterreifen!". Uff.... ist mir noch gar nicht aufgefallen. Schlingern war noch nicht und deshalb ist es mir selbst als Driver nicht aufgefallen. Kurzer Check und die Entscheidung zur Weiterfahrt nach Rechts. Schon allein deshalb weil 4 Ban (Dörfer) auf dem Weg liegen und ich mehr Chancen auf einen Werkstatt habe.
Und es dauert nicht lange und wir werden eines Besseren gelehrt.

Es geht hoch auf einen Bergrücken und der Weg ist durchlöchert und in schlechtestem Zustand. Kein Wunder, wer will hier schon hin? Vielleicht ein Bauer der ein Feld bestellt, ein Liebster der zur Liebsten ins nächste Ban will, ein Truck der Früchte und Gemüse von einem Tal ins nächste bringt? 

Der platte Reifen fängt allmählich an zu schlingern. Ich verlagere mein Gesicht immer mehr auf den vorderen Teil des Motobikes. Der Puderstaub und die tiefen Rillen bringen ihr Übriges zum unkontrollierten Fahren. Am Peak eine kurze Pause um den Zustand zu checken. Schaffen wir es noch bis zum nächsten Reparaturmechanix? Mit mässiger Geschwindigkeit die steile Wegstrecke hinab. Ich sehe schon Hüttendächer. Noch wenige hundert Meter und schon sollte ein Mechaniker an der Straße stehen und mir winken, ist mein Wunsch. Wir rollen durch das Ban und keine Werkstatt in Sichtweite. Mex fragt einen Dorfbewohner wo es die Möglichkeit zur Reparatur gebe. Er deutete die Richtung der Straße und 1 km.

Schwubs weitergefahren und im nächsten Dorf die Werkstatt finden. Langsam rolle ich Meter für Meter an den wenigen Hütten vorbei und warte auf einen Hinweis. Doch weit gefehlt. Mex hat die Hütte gefunden in der Nok, eine hübsche Thai, die sogenannte Werkstatt betreibt. Sie hat Werkzeug, einen Schweißbrenner und einen Kompressor in der Hütte neben ihrem fast schon abbruchreifen Haus. Sie betrachtet meinen Schaden am Hinterrad und schaltet den Kompressor an. In wenigen Minuten ist genug Druck aufgebaut um den Reifen aufzufüllen. Wir machen derweil einen kleinen Plausch mit ihr und albern ein wenig herum. 
Ventilkappe abgeschraubt und den Druckschlauch fest am Füllstutzen gepresst beginnt der Kompressor die Luft in den fast platten Reifen zu drücken. Und schon ist er voll. Prall und rund, so wie er sein soll, ein Motorradreifen. Wir haben derweil beraten dass die Luft nur gering entweicht und das es Möglich sein sollte mit der nachgelegten Luft bis nach Samong zu kommen. Es sollen nur noch 10 Km sein.

Und wie soll es schon anders sein, umdrehen, den Berg hinauf wo wir hergekommen sind und an der Abbiegung nach Links nehmen. Genau dort wo nur ein Pfeil hinweist. Na gut, die 4 Km mehr machen den Bock auch nicht Fett. Wir bedanken uns bei Nok und nehmen Schwung, um den Berg schnell hinter uns zu bringen. 267 Meter bewältigt, 1,2 Km hinter uns, 2,3 Km......Pfuhhhhhhh....... eiern, schlingern und fast dabei in den Graben gefahren. Ich fahre auf der glatten Felge. Das hat es also gebracht. Nach kurzer Entfernung jetzt den totalen Platzer. Na ja, wir waren auch sehr optimistisch seit dem abfahren von Nok.
Es bleibt nix anderes übrig als zurück und die Aktion realistisch. Den Berg wieder hinunterrollen bis zu Nok`s Haus und Hütte war ich bereits gewohnt.

Sie sah uns schon von weitem und dachte sich bestimmt ihren Teil dabei. Jetzt haben wir keine Chance und müssen den Reifen, beziehungsweise den Schlauch wechseln. Den Bock aufgestellt, das Werkzeug parat ziehen wir das Hinterrad von der Achse ab. Nok`s Nachbar interessiert sich für unser Treiben an der Hütte. Er kommt herüber und hilft beim Wechsel. 


Mit geschickten handwerklichen Händen hebeln wir den Pneu von der Felge und nehmen den Schlauch aus dem Reifen. Bwoooo..... Total zerfetzt. Keine Chance auf Loch flicken und schnell weiterdüsen. Regelrecht in mehrere Teile zerborsten. Da kann ich schon behaupten: Einen heißen Reifen gefahren!


Der Nachbar dessen Name für uns unaussprechlich war erklärte sich bereit den Reifen in die 12 km entfernte Werkstatt zu bringen und repariert zurück zu bringen. Wir gaben Ihm Geld für den Schlauch und Arbeitszeit plus etwas mehr falls Mehrkosten entstehen. Er düste los.

Nok sah uns den Hunger in die Augen an. Ob wir Kao Pad Gai wollen, fragte Sie. Na klar und schon war der Herd angeheizt. Einen Wok voll leckerem Essen dampfte in der Freiluftküche. Am Tisch Platz genommen bekommen wir den besten Kao Pad unseres Lebens. Mit etwas Chilli im Essen auch noch scharf. Hmmmm... lecker. Eine Stunde verging. Eine zweite 2 Stunde verging und endlich nach 3 Stunden kam der ersehnte Nachbar mit repariertem Reifen zurück. Warum er so lange gebraucht hatte, fragte Mex. Na ja, da waren noch die 4 Bierchen die er an der Werkstatt mit seinen Freunden noch getrunken hat. Na dann ist ja alles in Ordnung. 

Den Reifen wieder montiert und zur Probe gefahren verabschieden wir uns mit allen Höflichkeiten der neuen Freundschaft von beiden und fahren jetzt unserem eigentlichen Ziel, Samong, entgegen. Weit ist es nicht mehr, nur noch 10 km über staubige Pisten und unbefestigten Wege.

Wir passieren noch einen letzten Bergrücken und sehen Samong schon in der Ferne im Tal liegen. Mit vollem Genuss fahren wir die Bergstraße, eher Pfad, die letzten Kilometer in die kleine Provinzstadt ein. Es ist bereits 17.48 Uhr und uns plagt nochmal der Hunger. Einkehrschwung bei einer Mama am großen Marktplatz und eine Khao-Soi bestellen. Dampfend aus dem Tiegel werden Currynudeln mit Suppe aufgefüllt. Etwas crispy Nudels dazu und das beste, ein Hühnerschenkel aus dem Suppentopf obendrauf. Bwoooo... das schmeckt gut. Der Curry, die Nudeln und das Gigerl. 


Mex ordert nochmal das gleiche da es wirklich ausgesprochen sauguat schmeckt. Ich will nicht hinten anstehen und bestelle auch nochmal das gleiche Gericht.

 




Zahlen bitte, rufen wir zur Mama und gehen zu uefährten zurück. Kontrolle meines Hinter- und auch Vorderreifens. Alles in Ordnung. Dann ab an die Tanke und nochmal aufspritten für die 45 km bis nach Chiang Mai um nicht auf der Strecke zu bleiben.


Da die Nacht bereits hereinbricht fahren wir auf der Hauptstraße. Stockdunkel um 19 Uhr. Hier gibt es keine Dämmerung. Entweder Taghell oder Stockdunkel. Das bescheidene Licht an meinem Cityroller ist eigentlich zuwenig um Überland in der Nacht zu fahren. 

Es ist kurz vor 20 Uhr als wir im Hash-Pub in Chiang Mai wieder wohlbehalten ankommen. 

Es war heute war eine schöner Tagesausflug mit vielen Erlebnissen und Eindrücken. Dabei freundliche Menschen getroffen und erlebt, dass unvorhergesehene Ereignisse Menschen zueinander führen. Wir habe heute auch die Erfahrung gemacht dass Hilfe untereinander wichtig ist.

Wir werden bei unserem nächsten Besuch in Nordthailand wieder eine Tour machen und hoffen heute schon, keinen Platten oder Schlimmeres zu erfahren.

Wenn Ihr auf Strecke geht, dann wünschen Mex und Ich euch viel Spaß, viele Abenteuer, nette Begegnungen und vor allem keinen Break or Crash.






Kommentare:

  1. super spannend zu Lesen...teilweise stockt mir der Atem .......nochmal gut gegangen..:)was ein Abenteuer..und wunderschöne Bilder...es hat mich sehr beeindruckt....wünsche euch noch viele solcher guten Erfahrungen....

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  2. mit der Motocross würde ich auch mit fahren mit dem Roller ganz schön mutig ,da merkst Du ja jeden Stein und jedes Schlagloch....sauber.

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